Meine Sizilienreise
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Oh herrliche Weihnachtszeit, was hälst du heut' für uns bereit? (Ich dachte ich reime mal)

Es ist tatsächlich schon Dezember und in drei Wochen besuche ich über Weihnachten meine Familie zu Hause. Die Fotos von Adventskränzen, Kaminfeuer und Schnee aus Deutschland häufen sich bei uns Freiwilligen und ein bisschen Heimweh kann man nicht vermeiden. Weihnachten bleibt eben ein Fest der Familie. Auch hier in Palermo bemerkt man, dass es nicht mehr weit hin ist. Seit Anfang November hängt nun schon sehr kitschiger Weihnachtsschmuck in den Schaufenstern und die Eingänge der Läden sind mit 30.000 Meter Lichterketten behängt. Auch das Wetter wird schlechter. Man glaubt nicht, dass es so weit im Süden einen kompletten Tag durchregnen kann, aber es kann! (sollte doch eigentlich verboten sein..) Wäre ja alles halb so wild, wenn wenigstens die Heizungen angestellt würden und durch die Fenster nicht die ganze kalte Luft ziehen würde. Naja, eben typisch italienisch.

Im Flüchtlingsheim kommen zwei neue Jungs an. Einer aus Mali und einer aus Nigeria, beide 16 Jahre alt. Die Kommunikation mit dem aus Mali erweist sich als schwierig, da er nur französisch und Maninka (afrikanische Sprache) spricht. Ich versuche also irgendwie meine Französischkentnisse aus der Schule hervorzukramen, wovon jedoch so gut wie nichts geblieben ist, da ich französisch das letzte Mal in der zehnten Klasse hatte und dazu auch noch alles von italienisch überlagert wird. Mit dem Jungen aus Nigeria geht das alles schon sehr viel besser, da er englisch spricht. Am Donnerstag gehen wir mit den beiden zur Schule, damit sie italienisch lernen. Ein großes Problem in Afrika ist die hohe Analphabetenrate. Die beide können zum Glück schon lesen und schreiben, was nicht nur die Anmeldung in der Schule um einiges erleichtert (da die Lehrer oft nicht wissen, wie man die afrikanischen Städte schreibt, aus denen sie kommen), sondern ihnen auch enorm helfen wird die italienische Sprache schnell zu lernen. Auch auf der Weltkarte, die nun an der Wand in der Küche hängt, haben wir jetzt die Reiserouten von allen eingezeichnet. Auch hat einer gleich seine Weiterreise nach Norwegen eingezeichnet, da er dort gerne nach Palermo hinreisen möchte. Einen Tag gehen wir mit den Jungs zum Politeama (Teatro Politeama), wo sich einige Muslime versammeln und zusammen beten, um zu zeigen, dass der Islam auch friedlich sein kann, und dass das was der IS macht, nichts mit dem Islam zu tun hat. Davor hieß es jedoch noch Schuhe kaufen, da die beiden neuen Jungs nichts außer Flipflops hatten. Auch neue Jeans und Pullover mussten wir einkaufen gehen. Was mich persönlich erschrocken hat, ist, dass einer der beiden Jungs noch ein Armband mit einer Nummer darauf getragen hat, als er bei uns ankam. Wahrscheinlich aus einem Massenflüchtlingslager. Ein Zeichen dafür, dass Menschen nicht mehr wie Menschen behandelt werden. Eher wie eine Nummer in einer Akte, die entweder weggeschmissen, oder behalten wird. Andererseits aber auch ein Zeichen von völliger Überlastung der Behörden, sodass es zumindest irgendein System geben muss, mit dem man Ordnung in das Chaos bringen kann. Mir stellt sich die Frage, was oder wer man noch ist mit einer Nummer am Arm, ohne Familie und ohne zu Hause, in einer Masse von Leuten, denen es genauso geht. Das erste was die beiden machen sollen, als sie ankommen ist, ihre Familie anzurufen, um zu sagen, dass sie heile in Palermo angekommen sind und für die nächsten paar Jahre eine Unterkunft gefunden haben. Ich denke, wer es bis hierher schafft, hat zwar noch nicht alle Probleme gelöst und ist vielleicht auch noch nicht am Ende seiner Reise, kann sich aber trotzdem glücklich schätzen.

Weltkarte

 Palermo von oben (Blick vom Monreale)

Am Samstag gehen wir zu einem Antimafia-Laden in der Nähe der Via Libertà, wo zwei deutsche Frewillige arbeiten, die wir beim Italienischkurs kennengelernt haben. Die Erlöse aus dem Geschäft werden investiert in die Anti-Mafia Arbeit. Der Laden ist eigentlich sowas wie eine große Lagerhalle, mit Tischen voller Kram darauf. Es gibt noch eine zweite Etage mit Möbeln und wir verweilen eine ganze Weile in der Ecke mit den Sofas (zum Einen weil die echt bequem sind und zum Anderen weil so eins in unserer Küche noch fehlt). Sonntag abend gehen wir ins Stadion und gucken Palermo gegen Juventus. Obwohl ich mir extra noch einen Fanschal kaufe und sehr positiver Dinge bin, verlieren wir 0:3. Naja war klar, wir sind immerhin nur auf dem 14. und Juve auf dem 7. Platz. Die Palermo Fans sehen das ein bisschen anders und singen "Juventino pezzo di merda" und "Juve Juve vaffanculo", was so viel heißt wie Juventus ein Stück Sch**** und Juve leck mich am Arsch. So enttäuscht, dass wir mit einstimmen würden, sind wir dann auch wieder nicht über unsere Niederlage, zumal wir alle große Fans von Buffon sind.

 Palermo gegen Juventus

 

 Anti-Mafia Laden

Wir gehen zu Fuß nach Hause, da der Bus auf sich warten lässt und zudem völlig überfüllt sein wird. Google Maps sagt 50 Minuten, wir schaffen es in 41. Relativ kaputt falle ich abends in mein Bett und bin mal wieder froh, dass ich nachmittags arbeiten muss, im Gegensatz zu den meisten hier, und den nächsten Morgen ausschlafen kann. Obwohl, da war ja was. Achja meine Freundin aus Neuseeland mit zwölf Stunden Zeit Unterschied ruft morgen früh um Acht an. Naja, von der schmerzlich vermissten Freundin aus dem Bett geklingelt zu werden, ist ja auch nicht so schlimm.

 

 

30.11.15 11:26


Palermo: Mafia, Multikulti und Kontraste

Wenn man den Leuten erzählt, dass man ein Jahr auf Sizilien verbringt, ist oft das erste was ihnen dazu einfällt die Mafia. Immer wieder muss man dann erklären, dass man ja von der Mafia eh nichts mitbekommen würde. Zumindest haben wir das am Anfang nicht. Jetzt, wo wir so langsam den Status eines Touristen verlieren und einheimische Freunde gefunden haben, erfahren wir viel mehr über die Insel. Zum Beispiel wissen wir jetzt, wo welche Läden liegen, die Anti-Mafia sind und kein Schutzgeld bezahlen und in welchen Läden die Inhaber direkt zur Mafia gehören. Wir wissen auch, wo die Mafia besonders konzentriert ist. Und einmal, als wir abends unterwegs sind, steht mitten auf der Straße ein brennendes Auto, davor ein Mensch der uns umleitet. Wir denken uns, dass das nicht nach einem Unfall aussieht. Aber das ist auch schon alles, was wir mitbekommen. Sizilien, gerade Palermo, haben wir festgestellt, lebt von den Kontrasten. Einerseits bekommt man wenig mit von der Mafia, andererseits ist sie so präsent.

Was einem auch einfällt, wenn man an Sizilien denkt, ist Multikulti. Den einen Sonntag gehen ein paar Mitfreiwillige von mir zum valdensischen Gottesdienst in der Kirche nebenan von uns. Später höre ich eine Geschichte von fünf weißen Jungendlichen unter fünzig wild tanzenden und singenden Schwarzen. Ich entscheide auch einmal in den Gottesdienst zu gehen, nur um es mal mitzumachen.

Mit den Flüchtlingen recherchieren wir über ihre Heimatsländer, wobei wir feststellen, dass sie uns oft mehr darüber erzählen können, als bei Wikipedia steht. Außerdem fangen wir an, eine Weltkarte auf eine Pinnwand zu kleben und dann an die Wand zu hängen, sodass wir darüber reden können, in welchen Ländern sie ihre Zukunft verbringen wollen und welche Länder sie auf ihrer Reise hierher passiert haben. Mit ein paar von den Jungs haben wir schonmal über ihre Reise auf dem Schlauchboot über das Mittelmeer geredet. Wir mussten uns wundern, wie glücklich man nach so einer Reise noch sein kann, da uns keiner von den Jungs traumatisiert erscheint. Nur manchmal bekommt man mit, dass sie ihre Familie und ihre Heimat sehr vermissen. Ich denke dann auch immer an zu Hause, was aber natürlich nicht vergleichbar ist. Als wir einmal zum Porta Felice gehen (ein kleiner Turm am Hafen) sehen wir von oben ein Grafitti auf dem Boden "Grazie a tutto ti amo mama" (Danke für alles ich liebe dich Mama). Ich fotografiere das ab und schicke es später an meine Mama, aber es kommt nur zurück "herrlich. typisch italienisch". Typisch deutsch denke ich mir daraufhin. 

Blick vom Porta Felice

In unserer Freizeit chillen wir im Park Zisa, der voller Jugendliche ist, am Hafen oder zu Hause bei uns in der Küche. Mir fällt immer wieder auf, was für eine gute Gemeinschaft wir sind, da wir uns immer noch super verstehen, Gruppenunternehmungen machen und über Probleme reden bevor es eskaliert. Zwar ist die Küche nicht immer blitzeblank, aber bei 15 Leuten ist das Putzen eben auch schwierig zu koordinieren. Zumal die Effiziens von Küchenplänen auch echt überbewertet wird. (Neulich hing ein Zettel neben unserem Plan "Why do we need this?" )

Park Zisa

Mein Zimmer habe ich in meiner Freizeit auch dekoriert. Ich bin jetzt stolze Besitzerin eines mit Zeitungsschnipseln und Lichterketten beklebten Schrankes. Auch der Schreibstisch und meine Gitarre sind nicht verschont geblieben. Das Beste ist der Rolling Stones Aufkleber auf meiner Gitarre, den ich im Badezimmer der Bar Malox gefunden habe. Außerdem habe ich eine lockere Bodenfliese in meinem Zimmer gefunden, unter der ein Foto mit Freiwilligen von vor zwei Jahren lag. Ein Freiwilliger vor drei Jahren hat erzählt, dass auch er schon einen Brief mit 1,50 Euro (so viel kostet ein Forst Bier 0,66l in der Vucciria) hinterlassen hat. Der Brief wurde gefunden, das Geld leider nicht. Auch ich werde bei meiner Abreise was unter der Fliese hinterlassen (mal sehen ob ich das mit den 1,50 nochmal versuche).


Heute ist Samstag und ich verfolge immer gespannter die Flüchtlingskrise in den Nachrichten. Gerade vor allem die Anschläge gestern in Paris. Einer von den Jungs aus dem Flüchtlingsheim, ist seit einer Weile ausgezogen und arbeitet jetzt wie wir als Freiwilliger hier im Centro. Er kommt aus Ägypten und ist Moslem. An dem Abend sagt er zu mir, dass die Leute vom IS keine Moslems sind, sondern Bastarde.

 

14.11.15 15:30


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