Meine Sizilienreise
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    {Emotic(applause)} Tol
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    Liebe Friede, immer wied
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    Oh Freddy, Es ist so a
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    Lese ich total gerne
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Palermo: Mafia, Multikulti und Kontraste

Wenn man den Leuten erzählt, dass man ein Jahr auf Sizilien verbringt, ist oft das erste was ihnen dazu einfällt die Mafia. Immer wieder muss man dann erklären, dass man ja von der Mafia eh nichts mitbekommen würde. Zumindest haben wir das am Anfang nicht. Jetzt, wo wir so langsam den Status eines Touristen verlieren und einheimische Freunde gefunden haben, erfahren wir viel mehr über die Insel. Zum Beispiel wissen wir jetzt, wo welche Läden liegen, die Anti-Mafia sind und kein Schutzgeld bezahlen und in welchen Läden die Inhaber direkt zur Mafia gehören. Wir wissen auch, wo die Mafia besonders konzentriert ist. Und einmal, als wir abends unterwegs sind, steht mitten auf der Straße ein brennendes Auto, davor ein Mensch der uns umleitet. Wir denken uns, dass das nicht nach einem Unfall aussieht. Aber das ist auch schon alles, was wir mitbekommen. Sizilien, gerade Palermo, haben wir festgestellt, lebt von den Kontrasten. Einerseits bekommt man wenig mit von der Mafia, andererseits ist sie so präsent.

Was einem auch einfällt, wenn man an Sizilien denkt, ist Multikulti. Den einen Sonntag gehen ein paar Mitfreiwillige von mir zum valdensischen Gottesdienst in der Kirche nebenan von uns. Später höre ich eine Geschichte von fünf weißen Jungendlichen unter fünzig wild tanzenden und singenden Schwarzen. Ich entscheide auch einmal in den Gottesdienst zu gehen, nur um es mal mitzumachen.

Mit den Flüchtlingen recherchieren wir über ihre Heimatsländer, wobei wir feststellen, dass sie uns oft mehr darüber erzählen können, als bei Wikipedia steht. Außerdem fangen wir an, eine Weltkarte auf eine Pinnwand zu kleben und dann an die Wand zu hängen, sodass wir darüber reden können, in welchen Ländern sie ihre Zukunft verbringen wollen und welche Länder sie auf ihrer Reise hierher passiert haben. Mit ein paar von den Jungs haben wir schonmal über ihre Reise auf dem Schlauchboot über das Mittelmeer geredet. Wir mussten uns wundern, wie glücklich man nach so einer Reise noch sein kann, da uns keiner von den Jungs traumatisiert erscheint. Nur manchmal bekommt man mit, dass sie ihre Familie und ihre Heimat sehr vermissen. Ich denke dann auch immer an zu Hause, was aber natürlich nicht vergleichbar ist. Als wir einmal zum Porta Felice gehen (ein kleiner Turm am Hafen) sehen wir von oben ein Grafitti auf dem Boden "Grazie a tutto ti amo mama" (Danke für alles ich liebe dich Mama). Ich fotografiere das ab und schicke es später an meine Mama, aber es kommt nur zurück "herrlich. typisch italienisch". Typisch deutsch denke ich mir daraufhin. 

Blick vom Porta Felice

In unserer Freizeit chillen wir im Park Zisa, der voller Jugendliche ist, am Hafen oder zu Hause bei uns in der Küche. Mir fällt immer wieder auf, was für eine gute Gemeinschaft wir sind, da wir uns immer noch super verstehen, Gruppenunternehmungen machen und über Probleme reden bevor es eskaliert. Zwar ist die Küche nicht immer blitzeblank, aber bei 15 Leuten ist das Putzen eben auch schwierig zu koordinieren. Zumal die Effiziens von Küchenplänen auch echt überbewertet wird. (Neulich hing ein Zettel neben unserem Plan "Why do we need this?" )

Park Zisa

Mein Zimmer habe ich in meiner Freizeit auch dekoriert. Ich bin jetzt stolze Besitzerin eines mit Zeitungsschnipseln und Lichterketten beklebten Schrankes. Auch der Schreibstisch und meine Gitarre sind nicht verschont geblieben. Das Beste ist der Rolling Stones Aufkleber auf meiner Gitarre, den ich im Badezimmer der Bar Malox gefunden habe. Außerdem habe ich eine lockere Bodenfliese in meinem Zimmer gefunden, unter der ein Foto mit Freiwilligen von vor zwei Jahren lag. Ein Freiwilliger vor drei Jahren hat erzählt, dass auch er schon einen Brief mit 1,50 Euro (so viel kostet ein Forst Bier 0,66l in der Vucciria) hinterlassen hat. Der Brief wurde gefunden, das Geld leider nicht. Auch ich werde bei meiner Abreise was unter der Fliese hinterlassen (mal sehen ob ich das mit den 1,50 nochmal versuche).


Heute ist Samstag und ich verfolge immer gespannter die Flüchtlingskrise in den Nachrichten. Gerade vor allem die Anschläge gestern in Paris. Einer von den Jungs aus dem Flüchtlingsheim, ist seit einer Weile ausgezogen und arbeitet jetzt wie wir als Freiwilliger hier im Centro. Er kommt aus Ägypten und ist Moslem. An dem Abend sagt er zu mir, dass die Leute vom IS keine Moslems sind, sondern Bastarde.

 

14.11.15 15:30
 
Letzte Einträge: Sommersehnsucht und ein kleiner Funken Nostalgie, Marzo pazzo (der verrückte März)


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